Tagebuch 2013

Samstag, 16. März 2013

 Das Jahr ist schon mehrere Wochen alt, gleichzeitig liegt Frühling in der Luft und noch ein Rest Schnee auf den Wegen und im Garten. Die letzten Monate waren seltsam, wenn ich sie unter dem Blickwinkel des Schreibens betrachte. Anscheinend ist kaum etwas entstanden – weder ein neuer Roman, noch eine Geschichte oder ein Märchen. Und doch habe ich viel geschrieben. Da war zum einen der Online-Workshop zum Thema Schreiben, den habe ich komplett umgeschrieben, weil es auf einmal so sein wollte. Dann entstanden mehrere Artikel und Broschüren, alles spirituelle Werke.

Ich glaube, gerade diese Vielfalt ist es, die mich so begeistert. Andererseits scheint da kaum noch Energie für ein größeres Werk, wenn ich so etwas Umfangreiches wie die ganz neuen Online-Workshops zum Lebensnetz schreibe. Und trotzdem – oder gerade deswegen – meldete sich auf einmal ein vor längerer Zeit begonnenes Werk – Am Großen Wasser – und wollte weitergeführt werden. Es ging relativ leicht von der Hand, obgleich ich damals mitten in einem Kapitel abgebrochen hatte.

Das ist es, was mich fast am meisten fasziniert. Wie oft hatte ich schon die Befürchtung, dass ich etwas vergessen würde, wenn so lange Pause ist, ich gestört werde oder was auch immer geschieht. Dann schreibe ich irgendwann einfach weiter – und siehe da, irgendeine Instanz in mir hat ein ausgesprochen gutes Gedächtnis.

In den letzten Tagen habe ich eine Neuentdeckung gelesen – Pisana von Ippolito Nievo. Es heißt, er habe das umfangreiche Werk in wenigen Monaten geschrieben. Ja, nicht nur das. In seinem handschriftlichen Manuskript sind nahezu keine Korrekturen. Gerade solchen Dichtern fühle ich mich besonders verbunden. Erstaunlich ist allerdings, dass dieser gute Mann noch keine dreißig Jahre zählte, als er den Roman schrieb.

Donnerstag, 28. März 2013

 Es ist Gründonnerstag und nicht nur mein Schreiben verhält sich seltsam, auch das Wetter. Es ist trocken, manchmal fast sonnig, aber eisig kalt. Irgendwo las ich, es sei der kälteste März seit 100 oder gar 150 Jahren.

Das Kapitel im Roman Am großen Wasser ist fertig, und ein weiteres ebenfalls, es spielt an der Seine und handelt von meinem André. Nun habe ich über den schon so viel erfahren, und doch hat sich noch einmal Neues gemeldet. Dabei geht mir so langsam auf, warum ich diesen Roman nicht in einem Rutsch schreiben kann. Da kommen noch so viele Details aus meinen eigenen früheren Leben, dass es wahrscheinlich zuviel würde, wenn ich den Roman so schnell schriebe, wie ich das mit anderen kann.

Und dann wollte plötzlich Taillin dhu in Irland weitergeführt werden, aber auch das geht nicht so schnell. Nun, ich habe einmal geschrieben, mein Leben sei wie ein Fluss, mal schneller, mal langsamer, mal eher wie ein Bergbach, dann wie ein träger Strom. Nun stelle ich fest, nicht nur mein Leben ist so, auch mein Schreiben. Mal komme ich kaum mit, wenn ich den Stift in der Hand halte, dann wieder will es mir scheinen, dass ich jeden einzelnen Satz wie ein Praliné auf der Zunge zergehen lassen muss. 

Aber es ist nicht nur das. Es gibt Situationen, da ich mir überlege, ob ich etwas aufschreiben soll, und feststellen muss, dass ich überhaupt keine Lust dazu habe. Ich spüre geradezu ein Widerstreben, dieses Etwas in Worte zu fassen. Mittlerweile glaube ich, dass auch das einen tieferen Sinn hat. So begeistert ich von Worten und Schreiben bin, so gibt es manchmal doch so etwas, das ich die Stille zwischen den Worten nennen möchte. So wie es auch in der Musik manchmal das große Werk ausmacht, dass da Pausen ohne Töne sind. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Kunst des Weglassens ein großes Werk ausmacht.

Den großen Denker kennzeichnet ja auch – so behaupte ich jetzt – die Fähigkeit, für einen Moment den Kopf, das Gehirn, vollkommen freizuhalten von allem, was auch nur im Entferntesten an Denken erinnert. Wenn ich ein Glas nicht leere, kann ich nichts Neues hineingießen.

Ich stelle für mich nur fest, dass diese Art des Schreibens, wie sie mir zurzeit passiert, ausgesprochen entspannend ist, auch wenn sich auf meinem Tisch die einzelnen Kladden türmen, alles angefangene Werke, die auf Fortführung warten. Es hat überhaupt keinen Sinn, mich zu irgendeinem dieser Werke zwingen zu wollen, es käme nichts Gescheites dabei heraus. Aber wenn eines dieser Hefte Hier ruft, dann fließt der Text und in kürzester Zeit steht ein neues Kapitel da.

Das ist einer der Gründe, weshalb ich mich entschieden habe, meinen Unterhalt nicht mit dem Schreiben zu verdienen. Wenn ich für eines meiner Bücher Geld erhalte, freut es mich. Aber mein Geld fließt aus anderer Quelle.

Dienstag, 04. April 2013

 Nun ist eine weitere Kladde hinzugekommen. Am großen Wasser stockte, ebenso der Taillin dhu. Dafür zeigte sich auf einmal eine Art Pedant zu ihm in Deutschland, eine Frau, eine Balladensängerin und ebenso außerhalb der Zeit wie er: Calluna rhea. Ein Kapitel steht, ein zweites ist angefangen. Und im ersten ist mal wieder eine wundervolle Geschichte – oder Märchen, wie man will – doch das erzählt Taillin dhu. Nun stockt auch das Werk. Dafür zeigte sich gestern Abend etwas total Verrücktes, zumindest will es mir so scheinen. Da wollte auf einmal ein virtuelles Haus eingerichtet werden. Nun habe ich schon als junges Mädchen gerne nicht vorhandene Häuser ausgestattet, einfach so auf dem Papier – ich hätte vielleicht auch Innenarchitektin werden können, aber dann wäre das Hobby kein Hobby mehr.

Doch gestern Abend wollte es nicht nur geplant und gezeichnet sondern auch mit Worten festgehalten werden. Und als ich schon längst im Bett lag, kam mir plötzlich eine weitere Idee. Dieses virtuelle Haus, wie ich es nannte, birgt ein Potential. Vielleicht probiere ich das heute Abend – oder morgen – aus. Mir ist dann gestern Abend noch ein Weiteres klar geworden: ich hatte ein bisschen das Herumspielen vergessen. Und dabei ist das doch so wichtig. Gerade mit diesem Herumspielen tun sich neue Ideen auf, da kommen wie Geschenke, wie Sterntaler vom Himmel neue Gedanken zu Seminaren, Workshops, oder einfach zu Methoden, die ich mit Klienten – oder auch erst einmal selbst – anwenden kann.

Es war sicherlich einer der Gründe, warum ich schon Tage vorher immer das Gefühl hatte, da brodelt etwas in mir, will an die Oberfläche, schafft es aber nicht. Einige Reisen, die ich dazu machte, halfen mir zwar, die Ruhe zu bewahren – ja gar meinen inneren Frieden – aber sie zeigten mir nicht, was da in mir brodelte. Ich habe immer noch keine wirkliche Ahnung, aber mir will scheinen, ich habe ein Ventil geschaffen, so dass das in mir schlafende nun endlich an die Oberfläche gelangen kann – wann immer es will.

 Mittwoch, 17. April 2013

Es ist schon seltsam. Dieses virtuelle Haus war anscheinend nur dazu da, etwas Anderem Bahn zu brechen. Ich bin gar nicht damit fertig geworden, denn auf einmal zeigte sich etwas anderes, vollkommen neues.

Dieses Neue ist noch so empfindlich, so anrührend für mich, dass ich dazu nicht allzu viel schreiben möchte. Vielleicht kann ich es, wenn ich mit dem Text fertig bin. Denn es handelt wieder mal auch und besonders von mir, allerdings nicht so sehr von Vergangenem – das zwar auch – sondern von dem, was noch auf mich zukommt, was ich mir als eine Aufgabe für dieses Leben gewählt habe.

Das ist eine ganz besondere Erfahrung, dass sich solches über dem Schreiben eines Werkes zeigt. Ich kenne es ja, dass sich mir frühere Leben über dem Schreiben eröffnen. Nun beschreibe ich etwas aus früheren Zeiten, das mit der heutigen zu tun hat. Und auf einmal wurde mir klar – und wird es mir beim Schreiben noch immer mehr – was da noch wartete.

Das Interessante ist, dass auf einmal wesentlich mehr Klienten in meine Praxis kommen und nun nach einer dreimonatigen Pause auch wieder Seminare laufen. Ich weiß noch nicht, ob das nur diesen Monat ist oder so bleibt, aber gestern stellte ich fest, dass ich im April schon so viel eingenommen hatte, wie sonst in einem ganzen Monat.

Und dann zeigte sich auch noch ein Weiteres. Es häufen sich auch die Rückmeldungen von Heilungen, über die ich gar nicht nachgedacht hatte – da ist eine Klientin, deren Rückenschmerzen nach acht Jahren schlagartig weg sind (ich hatte aber nicht wegen der Rückenschmerzen gearbeitet), bei einer anderen fiel der Blutdruck, der angeblich behandlungsbedürftig geworden war (das hatte sie mir gar nicht erzählt). Gestern erzählte mir eine, eine Hauterscheinung, die sie schon seit ewigen Zeiten störte, sei nach meiner letzten Arbeit verschwunden.

Dann passieren aber auch Dinge, die mich schrecken könnten, es aber nicht tun. Da bittet mich ein Mann, für ihn zu arbeiten, im nachfolgenden Telefonat hatte ich das Gefühl, er nahm das nicht so ganz ernst, was ich da wahrgenommen hatte. Ein paar Tage später erhielt ich eine Mail von ihm: liege im KKH nach Infarkt. Es kann ja sein, dass das nichts miteinander zu tun hat – aber ich glaube, dass da sehr wohl ein Zusammenhang ist.

Und wenn ich nun alles zusammen betrachte, so habe ich das Gefühl, dass sich mir eine neue Ebene aufgetan hat. Ich spüre auf einmal noch viel mehr Ruhe und Frieden in mir, und beides hat mit dem zu tun, was ich schreibe.

Freitag, 19. April 2013

 Ich spüre, eine wirkliche Beschreibung des neuen Werkes will mir im Moment nicht gelingen. Deshalb will ich hier den Titel nennen und den Prolog zitieren, ich finde, dass dies schon genug aussagt.

 Der Weg der Zweiundzwanzig

 Prolog

Es war im Mai 2000, da befand ich mich in Üxheim in der Eifel zu meinem zweiten schamanischen Seminar. Ich hatte damals noch keine Ahnung davon, wie oft ich als Schamane auf der Erde verweilte, noch wusste ich, dass ich auch bei den Essenern gelebt hatte. Ich war erst am Anfang eines neuen Lebensabschnittes, der abrupt zwei Jahre später enden sollte, um etwas vollständig Neuem Platz zu machen. Doch damals war ich ahnungslos wie ein Baby.

Man hatte uns zu der Burgruine geschickt, die sich in der Nähe des Seminarzentrums befindet, um dort Naturgeister zu beobachten. Außer ein paar Kobolden nahm ich nichts wahr. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Ich nahm sehr wohl etwas wahr, aber keine weiteren Naturgeister.

Ich hatte mich etwas frustriert auf einen dicken Stein gesetzt und blickte an der Mauer eines Turmes hoch, der nur noch eine gezackte Ruine bildete. Doch die Wand vor mir war noch richtig hoch. Ziemlich weit oben sah ich es plötzlich golden leuchten, als fielen dort Sonnenstrahlen hin. Dann bildeten sich daraus Muster und bald schon konnte ich sie auch lesen, es waren drei Zeilen. In der ersten stand: w D 22; in der zweiten Zeile waren Symbole: ein Helm, ein Traumfänger, eine stilisierte Schildkröte und eine ebensolche Schlange. Darunter befand sich noch das Symbol für die Erde.

Ich hatte so etwas noch nie erlebt, zumindest nicht bewusst. Ich hatte auch immer behauptet, ich „sähe“ nur mit geschlossenen Augen. Doch meine Augen waren offen und ich schien mich im Alltagsbewusstsein zu befinden. Ich blickte woanders hin, wieder zurück, wiederholte es: doch die Zeichen blieben, wie eingegraben. Ich kam damals nicht auf die Idee, irgendeinen der anderen Seminarteilnehmer zu fragen, ob er auch die glühende Schrift sehe. Doch da ich einen Block mithatte, schrieb ich sie ab. In dem Moment, da ich das letzte Zeichen gemalt hatte, waren die goldenen Bilder an der Wand verschwunden.

Auch wenn ich damals noch nicht viel Übung mit solchen Erlebnissen hatte, war mir doch klar, dass diese Schrift etwas zu bedeuten hatte, für mich zu bedeuten hatte.

Ich vermute, dass ich sogar eine schamanische Reise dazu gemacht habe. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern und so wird das Ergebnis nicht so umwerfend gewesen sein, wie es die Zeichen an der Wand waren. Ich weiß noch, dass ich mich an Heines Gedicht Belsazar erinnert fühlte und dass ich eine Bekannte fragte, ob sie eine Idee zu der Bedeutung der Zeichen hätte. Sie meinte, die Vier sei für mich wichtig und die Zeichen der zweiten Zeile interpretierte sie als Symbole für die Elemente. Dabei beließ ich es dann. Weder meine Aufzeichnungen über schamanische Reisen noch mein Tagebuch aus jener Zeit erwähnen auch nur mit einem Satz dieses Geschehen.

Trotzdem ließ es mich nie ganz los. Immer wieder mal dachte ich darüber nach, was die Zeichen bedeuten könnten, und kam doch nicht weiter. Allerdings änderte sich das mit dem 11.05.2002. Darin sind die Zweien so augenscheinlich, dass es mir bald danach auffiel. Der Mensch, der mir an jenem Tag bei meiner Verwandlung geholfen hat, hat am 22.04. Geburtstag. Aber das war es erst einmal. Das Einzige das ich inzwischen zu verstehen glaubte war, dass es nicht nur eine Erklärung gebe, sondern eine vielschichtige Konstruktion von Interpretationen und Hinweisen – alle bedeutsam für mich, sich aber erst nach und nach zeigend.

Dann vergaß ich die Zeichen für eine Weile, bis sie 2010 wieder wichtig wurden. Sie wurden es so sehr, dass ich meine Freundin Barbara bat, die Zeichen und Symbole in einer Art Medizinrad zu malen. Mittlerweile ist dies das Erkennungszeichen für meine Arbeit, das ich auf meiner Webseite, den Visitenkarten und Infoblättern verwende. Auch für die beiden Buchstaben hatte ich inzwischen mehrer Deutungsideen. Und eine der vielen Möglichkeiten nutzte ich, um daraus das Abschluss-Seminar für die Ausbildungen zu gestalten, die ich in meinem Zentrum anbiete.

Ich hatte geglaubt, ich hätte nun alle Hinweise verstanden. Doch ich hätte es besser wissen sollen. Das Leben auf der Erde ist ein Prozess. Und alles findet sich wieder, wenn wir uns auf eine andere, neue Ebene begeben.

Anfang 2013 las ich in den Essener Erinnerungen. Ich wusste schon seit Jahren, dass ich unter den Essenern gelebt hatte. Von meiner Rachel kannte ich einiges, vor allem die ganz besondere Initiation, die sie zusammen mit einigen anderen Frauen erlebt hat.

Nun, in diesem Buch von Meurois-Givaudan, las ich, wie wichtig die Zahl Zweiundzwanzig bei den Essenern war, und dass sie genau zweiundzwanzig waren, die vom Heiligern Land ins Land Kal – nämlich Gallien – aufbrachen.

Hatte ich richtig gelesen? Zweiundzwanzig? Konnte es sein, dass die beiden Ziffern auf der Mauer der Burg, damals im Jahr 2000, mich auch darauf hatten hinweisen wollen? Dieses Mal machte ich dazu eine schamanische Reise – was sage ich, nicht eine, mehrere. Nun fließen die Hinweise, als hätte alles darauf gewartet, dass ich im Laufe der Jahre die Puzzlesteinchen zusammentrage. Das, was ich nun erfahren habe, führt nicht die anderen Interpretationsversuche ad absurdum. Es scheint nur eher der Kern von allem zu sein. Alles andere waren Hüllen, die diesen inneren Kern verdeckten und schützten. Und nun, da ich anfange, diesen Kern zu begreifen, erhielt ich in einer weiteren schamanischen Reise den Auftrag: „Schreibe es auf! Es ist wichtig, nicht nur für dich.“

Nun, das will ich tun. Es wird die nächsten Seiten füllen. Noch weiß ich nicht, wo es anfängt und wann und wie es aufhören wird. Ich werde es so aufschreiben, wie es sich mir zeigt.

 Inzwischen habe ich wesentlich mehr erfasst, ich habe eine Ahnung, wohin die Reise geht und ich habe einen weiteren Auftrag erhalten, der mich fast schon erheiterte. In meinen Reisen nehme ich immer wieder den Meister Jesus durch die Augen meiner Rachel wahr, und dann sagt er auf einmal – und ich wusste, er meinte mich und nicht Rachel – „Ich werde dir einen Text diktieren, es wird so etwas Ähnliches wie ein Roman werden.“ Dazu kann ich nun erst einmal gar nichts mehr sagen.

Das Werk ist fertig und ist es doch nicht. Denn als ich den letzten Satz schrieb, hieß es: nun folgen noch Übungen. Wie bitte? Es hieß doch, es sei keine Lehre, oder vielmehr: „Lebe die Lehre!“ Nun, da ich mich dann doch darauf einließ, folgte eine kurze Einleitung und die zeigte mir dann, dass Übungen vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Aber es gibt kein wirklich gutes, also belasse ich es dabei. So wie es sich mir im Moment zeigt, sind es eher Impulse, Hinweise darauf, wohin man seine Achtsamkeit lenken kann. Es wird kein soll oder muss geben, keine strikte Disziplin, eher ein lächelnder Hinweis, doch auch mal dahin zu blicken, oder es mal aus der Perspektive zu betrachten. Ja, das gefällt mir schon wesentlich besser – und ich hätte es natürlich wissen sollen.

Sonntag, 21.04.2013

So werde ich die nächste Zeit damit beschäftig sein, diese „Übungen“ zu schreiben. Interessanterweise zeigte sich mir auch schon ganz nebelhaft etwas zu dem Roman. Es meldete sich ein Name – Matteo – für die Hauptfigur und ich sah die Gegend, in der das alles spielen soll. Das ist allerdings ein sehr weites Feld, der gesamte deutsprachige Raum inklusive Norditalien. Und ich ahne schon, dass dieser gute Matteo auf einer doppelten Wanderschaft sein wird.

  Samstag, 27.04.2013 

So ist es. Das Buch ist fertig, die „Übungen“, die ich nun Impulse genannt habe, sind ebenfalls beendet und die ersten Seiten zu dem Roman Matteo geschrieben. Der Nebel hat sich zwar ein weinig gelichtet, will sagen, ich ahne noch ein wenig mehr, worum es geht. Aber mehr als eine Ahnung ist es dann nun doch wieder nicht. Ich stelle allerdings fest, dass der Text sich irgendwie anders anfühlt als meine anderen Romane. So bin ich also gespannt, wo mich diese Reise hinführen wird.

Aus dem fertigen Werk ergaben sich noch ein paar wundervolle Folgen, das zeigte sich in Reisen, die ich für Klienten durchführte. Und wieder einmal spüre ich, wie stark alles miteinander verbunden ist. Und wieder einmal tauchen mehrere Leute auf, die anscheinend das gleiche Problem haben. Na solche Zufälle aber auch.

Samstag 11. Mai 2013

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Vor genau elf Jahren begann das, was ich die neue Ursula nenne. Außerdem wird aber heute auch meine Freundin fünfzig. Und – ich musste beim Schreiben fast lachen – der Matteo ist ebenfalls am 11. Mai geboren, allerdings 1960, das heißt er würde heute dreiundfünfzig.

Also genau der rechte Moment einmal kurz inne zu halten. Inzwischen habe ich weitere Seiten gefüllt, Matteo ist inzwischen über zwanzig. Zuerst dachte ich ja, der Roman würde fast so etwas wie eine Biografie, aber so richtig setzt er erst mit seinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr ein.

Wieder die Zweiundzwanzig, es wundert mich schon gar nicht mehr. Und ich vermute, dass der Roman nicht bis zu seinem Lebensende geht, sondern über zweiundzwanzig Jahre, dann würde er also vierundvierzig sein. Vordergründig sind die Jahre von der Suche nach seinem Vater bestimmt, aber das ist nur vordergründig, denn ich ahne, dass dahinter sehr viel mehr ist. Es ist eher ein Weg zu sich selbst, so will mir scheinen.

Für die Broschüre zu den Essenern hat sich dann auch noch weiterer Text gemeldet. Es wollte etwas zu meinen eigenen Erfahrungen geschrieben werden und dann zeigte sich während einer Arbeit etwas, das ich über Jahre anscheinend vergessen hatte.

Es muss Anfang der neunziger Jahre gewesen sein, ich hatte gerade mit Meditieren begonnen und war – was damals selten vorkam – allein im Haus. Kurz vor dem Einschlafen setzte ich mich im Bett auf und meditierte und sah plötzlich etwas sehr Beeindruckendes. Damals war das für mich ausgesprochen ungewöhnlich. Ich sah also einen milchig-weißen Palast, ich hatte den Eindruck, er sei vollständig aus Alabaster. Er wirkte wunderschön, wie ein Märchenpalast, mit einer großen, breiten Eingangstreppe. Zuerst traute ich mich überhaupt nicht, dort hinein zu gehen, und über die Eingangshalle kam ich auch nicht hinaus.

Das Bild blieb wie eingemeißelt in meinem Kopf. Aber ich sah diesen Palast nie wieder in einer Meditation und seltsamerweise kam ich auch nie auf die Idee, ihn in einer schamanischen Reise aufzusuchen. Vor kurzem arbeitete ich für eine Klientin und auf einmal wurde die Szene, die ich gesehen, kleiner, landete auf meiner Hand und ich sollte dies woanders hintragen. Mein Erstaunen war groß, als ich genau in jenem damals gesehenen Palast landete. Und dann begriff ich auf einmal. Es ist ein Palast aus Liebe, denn dieses Weiß ist genau das Gleiche wie das des weißen Strahls der Liebe. Der Palast war nicht aus hartem Kristall, es war auch nicht das kalte Weiß des Schnees. Dieses milchige Weiß, das eher an den Mond erinnert oder eben an Alabaster, tut den Augen gut, wirkt ein wenig wie eine perfekte Perle, und hin und wieder schimmert es in allen Farben.

Genau darüber wollte nun noch etwas zu dem Essener Text geschrieben werden. Und ich weiß jetzt schon, dass da noch ein drittes Kapitel als Nachschlag folgt, in dem ich Näheres zu diesem milchweißen Strahl berichte. Denn es gibt noch mehr Erscheinungen in meinem Leben, die aus diesem ganz besonderen Weiß der Liebe bestanden.

 Dienstag, 02. Juli 2013

Es ist gut, dass ich nicht nur nicht mehr plane, sondern es mir auch leicht fällt, es einfach fließen zu lassen, Dinge liegen zu lassen, wieder aufzugreifen, alles immer so, wie es gerade getan werden will. Da wollte nach den Essener Erinnerungen auch der Nachfolgeband gelesen werden: Im Lande Kal. Irgendwann bemerkte ich einen meiner Ausdrücke, fast so, als würde er interessiert mitlesen. Es handelte sich um Jacques, der vom Ende des zwölften bis Mitte des dreizehnten Jahrhunderts lebte. Geboren in der Provence, in der Nähe des Verdon, jüngerer Sohn, Ausbildung bei einem Troubadour und später bei den Templern.

Dann auf einmal drängte es mich, in einer schamanischen Reise noch einmal genauer hinzusehen, und siehe da, die Ausbildung, die er bei den Templern erhielt, wollte sehr viel genauer angesehen und dann aufgezeichnet werden.

Es war und ist erstaunlich, was sich da zeigt. Ich will jetzt nicht behaupten, dass alles bis ins letzte Detail genau so damals stattgefunden hat, aber es fühlt sich alles so stimmig und wahr an, dass es, zumindest in den groben Zügen, genau so war.

Was für mich das Erstaunlichste aber war, das ist eine Erkenntnis, die ich Ursula hatte. Da lernt dieser Jacques, der ja auch ich bin, Dinge, von denen ich geglaubt hatte, ich hätte sie erst in den letzten Jahren gelernt, da hat er Erkenntnisse, die die meinen aus diesem Leben sind. Und dann wurde es mir klar, warum es mir in diesem Leben manchmal so leicht fiel, dieses alles anzunehmen – ganz im Gegensatz zu manchen meiner Klienten oder Freunde. Schließlich hatte ich das alles ja schon einmal erkannt und erlebt. Es ist in diesem Leben nichts wirklich Neues für mich, es schlummerte nur irgendwo in meinen Tiefen, und ich durfte es wie Dornröschen aus seinem Schlaf erwecken.

Schon alleine deshalb war und ist es wichtig, diese Reise, die mir eine Einweihungsreise zu sein scheint, aufzuzeichnen. Es geht sehr viel tiefer, als ich es bisher angenommen hatte. Irgendwann wird auch das eine kleine Broschüre geben – und ich könnte mir denken, dass es alle die interessiert, die auch von den Essener Erinnerungen fasziniert sind.

 Mittwoch, 17. Juli 2013

 Nun wurde es doch mehr als nur die Einweihung durch Armand. Es wollte alles notiert werden, auch seine Zeit in Akkon und dann seine Reise zum Jakobspilgerpfad. Und noch einmal zeigten sich Dinge, die ich weder gewusst noch von Jacques geahnt hatte. Und nun, nach wenigen Wochen, ist diese Broschüre fertig geschrieben.

Es ist ganz eigentümlich, da gibt es Texte, die ich immer nur in kleinen Häppchen schreiben kann. Andere, bei denen ich zwar zügig schreibe, aber doch immer wieder mal Pause einlegen muss, die durchaus Monate oder gar Jahre dauern kann. Und dann gibt es Texte, die wollen in einem Rutsch durchgeschrieben werden. Ich muss fast bewusst Pausen einlegen – oder meine Hand bringt mich dazu, weil sie mir weh tut.

So ist es mir mit diesem Text gegangen. Ich habe zwar hin und wieder eine schamanische Reise zu dem Thema gemacht, einfach auch deshalb, um mich besser und tiefer mit Jacques zu verbinden. Aber ansonsten floss es so schnell und so leicht. Das rührt sicherlich auch daher, dass es ja letztendlich um mich geht, schließlich ist Jacques ein Ausdruck meiner Seele. Und es waren noch so viele Botschaften für mich in dem Text, in dem, was er erlebt hat. Und wieder einmal stellte ich fest – inzwischen nicht mehr mit so großem Erstaunen – dass da ein Ausdruck von mir das tat, was wir heute schamanisches Reisen nennen.

Samstag, 20. Juli 2013

  Zwar ist die Broschüre jetzt schon seit ein paar Tagen fertig, aber es kam trotzdem noch einmal eine neue Erkenntnis. Meistens lese ich, wenn ich einen Text beendet habe, diesen mir laut vor – dann höre ich manchmal Fehler, die ich beim stummen Lesen nicht bemerke. Das tat ich nun auch mit diesem Text. Jedes Mal, wenn ich ein Kapitel oder mehr laut vorgelesen hatte, war ich hinterher fast wie betrunken, ich war so tief in alles eingestiegen, dass ich das Gefühl hatte, ich käme aus einer schamanischen Reise zurück. Dann erzählte ich von dem Text, und wieder geriet ich so tief hinein, dass ich irgendwann unterbrach und meinte, ich müsse erst einmal Wasser trinken. Ich spüre, dass dieser Jacques, dieser Teil meiner Seele, etwas mit mir gemacht hat. Wundersamer Weise hat sich auch seine heitere Gelassenheit in mich gesenkt, auch sein Vertrauen darauf, dass alles in Ordnung ist. Ich hatte es ja in gewisser Weise auch schon vorher, doch es ist nun noch tiefer und klarer in mir. 

 Dienstag, 13. August 2013

  Das Ganze weitet sich zu einer Trilogie aus. Denn nun will auch noch Cladaigh, mein Barde in Irland seine Geschichte erzählen – ebenfalls in Ich-Form, ganz wie Jacques. Ich stelle ein paar Parallelen fest, die mir vorher gar nicht so bewusst waren und es zeigen sich noch ein paar Mitspieler im Spiel Erde sehr viel deutlicher. Es ist immer wieder spannend, auf wie vielen Ebenen mein Schreiben abläuft. Es mag ja sein, dass dies bei anderen Schriftstellern ebenfalls so ist – vielleicht sogar sein muss. Doch die Frage ist, ob sie sich dessen so klar bewusst sind, wie ich es inzwischen bin.

 Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht die Einzige der schreibenden Zunft bin, die über die eigene Schreiberei reflektiert, denn es gibt von einer Reihe schreibenden Menschen ebenfalls literarische Tagebücher. Leider habe ich bisher immer nur davon gehört oder ein paar Auszüge daraus gelesen. Vielleicht steht es in nächster – oder übernächster – Zeit einmal an, mich damit genauer zu befassen.

 Die Briefe von Oscar Wilde – die ebenfalls Reflektionen über seine Arbeit beinhalten – habe ich zumindest verschlungen, fast noch mehr als einen Roman, oft genug konnte ich gar nicht aufhören. Wenn es solches von Rilke gibt – was ich im Moment gar nicht weiß – würde mich das auch sehr interessieren. Und ansonsten – lasse ich es wie gewohnt fließen.

 Samstag, 21.09.2013

  Rechtzeitig vor meinem Urlaub am Bodensee war auch das Werk über Cladaigh fertig. Ich freue mich immer wieder, wie gut diese innere Instanz von mir alles zur rechten Zeit geschehen lässt. Als ich nun überlegte, was ich denn mit in Urlaub nehmen solle, schrie regelrecht der Matteo, er wolle mit. So wie andere Menschen sich Urlaubslektüre einstecken, nehme ich die Kladden mit, in denen ich die Romane oder Geschichten festhalte.

 Matteo spielt zwar nicht am Bodensee – zumindest war das bisher nicht ersichtlich – doch nun, da ich dort unten war, sah ich, dass er sehr wohl irgendwann einmal auch dort nach seinem Vater forscht. Na, das ist ja eine spannende Angelegenheit.

 Ich kann es gar nicht oft genug betonen: alles wird so wundervoll geplant wie wir es mit unserem kleinen menschlichen Gehirn gar nicht könnten. Hinterher sehe ich es immer wieder voll staunendem Vergnügen – hin und wieder erhasche ich dies sogar in dem Moment, da die Wirkung in Aktion tritt.

 Freitag, 11. Oktober 2013

  Na so was! Da dachte ich, ich würde mittlerweile alle möglichen und unmöglichen Auslöser für Geschichten kennen – weit gefehlt. Vor ein paar Tagen schaute ich etwas in meinem umfangreichen Lexikon nach und anschließend blätterte ich noch ein wenig weiter, das tue ich immer wieder gerne. Dabei fiel mein Blick auf das Foto eines mir unbekannten russischen Dichters. Interessantes Gesicht, dachte ich noch. In gewisser Weise sogar schön, sehr ebenmäßig und sehr klar gezeichnete Lippen. Als ich mit Blättern aufhören wollte, schaute ich noch einmal nach diesem Foto. Seltsam, seltsam. Dann begab ich mich – ich glaube – in die Küche, wollte irgendeine ganz normale Hausarbeit tun. Und dann hörte ich auf einmal eine Frauenstimme im Kopf: „So etwas dürfte nicht erlaubt sein…“ gleich danach kam auch ein Bild, eine Frau in einer Kutsche, die auf einen Mann starrt, der ein ebenso klassisch schönes Gesicht aufweist wie jener Dichter in meinem Lexikon.

 Interessant, dachte ich noch, machte weiter meine Hausarbeit, doch da tönte die Frauenstimme wieder. Nun ja, ich kenne es ja schon, es hat keinen Sinn, sich ablenken zu wollen, solche Dinge wollen aufgeschrieben werden. Also nahm ich mir einen Block und begann. Zuerst glaubte ich noch, es käme einfach nur diese Szene, und was daraus würde, könnte ich dann später erfahren. Wieder weit gefehlt. Es schrieb und schrieb sich und dann – ein paar Stunden später – stand die ganze Geschichte auf dem Papier, alles in einem Rutsch geschrieben.

 Der erste Teil spielt in Baden-Baden Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Der junge Mann ist natürlich ein russischer Dichter, die Frau eine Engländerin, verheiratet, zwei Kinder, aber nicht glücklich. Am Anfang glaubt sie noch, dass sie bestimmt nicht Gefahr liefe. Dann kommt so die typische Geschichte – wenngleich sie vielleicht nicht ganz so typisch ist, denn der Mann bleibt ziemlich kühl, nutzt diese Frau eher als Studienobjekt für seinen nächsten Roman und wundert sich dann, dass er sie vollkommen falsch eingeschätzt hat.

 Der zweite Teil spielt zehn Jahre später in Russland. Der Dichter ist nicht nur älter und reifer geworden, er ist um einige Illusionen ärmer, fast ein wenig verbittert und von der politischen Lage in Russland beunruhigt. Und so beschließt er, nach Frankreich auszuwandern – zusammen mit der Frau, die von Kind an seine Freundin war, in der er aber vorher nie mehr gesehen hatte. Sie ist die einzige Frau, die in nie als schönen Mann sondern als guten Freund betrachtet hatte. Und sie ist der einzige Mensch, bei dem er sich immer „normal“ gefühlt hatte.

 Der Titel ist irgendwie lustig, die Geschichte wollte: ‚Ein russischer Apoll’ genannte werden. Das war nach über einem Jahr wieder die erste Geschichte, die ich schrieb. Alles Mögliche hatte sich gemeldet: Artikel, Gedichte, Romane, Sachbücher, aber keine Erzählung. Und dann das!

 Sonntag, 20. Oktober 2013

 Ich hatte es vor einem Jahr in diesem Schreibblog nur ganz kurz erwähnt. Da hatte sich damals etwas anscheinend Neues gemeldet. Ich wusste nicht so recht, wo ich diese Texte einordnen sollte, es waren keine Essays, Artikel oder ähnliches und doch ähnelte es solchen Werken. Vor allem aber spürte ich damals schon, dass es nicht bei einem Text bleiben würde.

Sehr schnell – ja ich glaube sogar als erstes – war da ein Titel, ein Zitat von Shelley: „Welken Blättern gleich zu neuer Geburt“ (aus seiner Ode an den Westwind – im Original heißt es: „Drive my dead thoughts over the universe like withered leaves to quicken a new birth!”). Und der Anlass waren Träume, plötzliche Eingebungen, Gedankenfetzen, die dazu drängten, zusammengetragen und notiert zu werden. Ich schrieb damals in einer Art Prelude: „…man könnte das Folgende Essay nennen, es könnte sich aber genau so gut herausstellen, dass es ein philosophisches Werk, vielmehr ein philosophierendes wird. Wenn ein Baby den ersten Schrei tut, weiß ja schließlich auch noch niemand, was aus diesem Menschlein einmal werden wird.“

Inzwischen schrieben sich elf Abschnitte über alles Mögliche, das ich anscheinend unbedingt einmal gesagt haben wollte. Dabei lasse ich mich über Genies, Begriffe, Konzepte, Fantasie, Massenbewusstsein und anderes aus. Mehrere Monate hatte es stumm da gelegen – geduldig wie nur Papier ist. Dann wollte gestern Abend ein weiterer Text dazu – er nennt sich „Wert und Unwert der Kunstbewertung“ – ein Thema, das mich immer wieder mal beschäftigt. Und wie ich es im Moment sehe, werden im Laufe der Zeit weitere Texte folgen. Hier nehme ich mir die Freiheit, mit Gedanken zu spielen, Bekanntes in Frage zu stellen, und dann sogar meine Ausführungen zu hinterfragen. Es mag sein, dass es so manchen Leser verwirren könnte – allerdings gibt es auch Menschen, die das Geschriebene begeistert, ich habe nämlich ein paar Stücke vorgelesen.  Und so lasse ich meine Gedanken – welken Blättern gleich – zu einer neuen Geburt führen.

 Dienstag, 22. Oktober 2013

 In Anlehnung an seine eigenen Texte könnte ich formulieren: „Denk ich an Heine in der Nacht, So werd ich um den Schlaf gebracht.“ Allerdings ist der Grund ein anderer als bei Heine selbst.

Ich hatte mir in den letzten Tagen Heine vorgenommen, nach langer Zeit einmal wieder. Anlass war seine Harzreise, doch dann ließ ich mich von seinen Gedichten verzaubern. In der Nacht von Sonntag auf Montag nun waren einige Zeilen in meinem Kopf, der Rhythmus so klar, dass es nur ein Gedicht werden konnte. Ich drehte mich auf die andere Seite, die Zeilen blieben, ich wälzte mich zurück, und immer noch hämmerten sie: „Mein Mädchen, wir machten nur Liebe, Und dachten uns nichts dabei, Wir lebten nur unsere Triebe, Und glaubten nicht an Treu.“

Ja, was sollte das denn? Nicht nur, dass es nicht unbedingt ein für mich typischer Anfang ist (doch was heißt das schon), wollte es auch noch aus der Sicht des Mannes geschrieben werden. Nun weiß ich ja, dass ich beides in mir trage: Mann und Frau. Und durch die Zeilen – so wollte es mir scheinen – zwinkerte mir mein Barde aus Irland zu.

Nach vergeblichen Versuchen einzuschlafen – ich hätte es eigentlich schon vorher besser wissen sollen – schaltete ich endlich das Licht ein, Stift und Papier liegen immer an meinem Nachttisch, und notierte das Gedicht. Es blieb nicht bei den vier Zeilen, es wurden daraus acht Strophen mit je vier Zeilen. Und sie schrieben sich in einem Rutsch. Danach konnte ich schlafen.

Am nächsten Morgen trug ich es dann gleich ins Reine, ein paar wenige kleinere Korrekturen wollten noch gemacht werden – da hatte ich in der Nacht wohl nicht richtig hingehört – und dann stand es da auf Papier und wollte Treue genannt werden. Es endet mit den beiden Zeilen: „Bin Freund dir nun geworden, Als Freund bin ich dir treu.“

Nun, so kann es einem gehen. Und im Übrigen: in dieser Nacht habe ich wundervoll geschlafen und bin heute Morgen erst sehr spät aufgewacht, meine innere Uhr steht wohl schon auf Winterzeit.

Freitag, 25. Oktober 2013

 Da saß ich gestern Abend so nichts ahnend in meinem Sessel und überlegte, was ich denn nun wolle: Musik hören, ein Buch lesen oder etwas schreiben. Ich tändelte mehr oder weniger damit herum, griff nach einem Stapel Hefte, in die ich schon mal kleinere Texte schreibe, und fand den Anfang für ein Märchen, den ich letztes oder sogar vorletztes Jahr vor Weihnachten schrieb.

Da war noch nicht einmal ein Titel, geschweige denn das Datum notiert – was ich sonst immer tue – und ich erinnerte mich schwach, dass es damals eher ein Experiment gewesen war. Dieses Mal las ich das schon Geschriebene – und siehe da, es wollte weiter geschrieben werden.

Der Anfang spielt in einem irischen Haus – natürlich mit Kamin, ich liebe Kamine, zumindest in Erzählungen – und da sitzen zwei Kinder, Klara und Oliver, und warten auf Weihnachten. Klara hat sich beim Herumtoben mit dem Bruder ein Bein gebrochen und nun berichtet Oliver, auf dem Fenstersitz hockend, was draußen vor sich geht.

Irgendwann hört Klara nicht mehr zu, da sie fasziniert auf den Kaminsims starrt. Da befindet sich nämlich eine kleine Steinmaus, die sich auf einmal die Nase und die Ohren putzt und vehement nach Kuchenkrümel verlangt, die sie von den erstaunten Kindern auch bekommt. Dann läuft diese zum Leben erwachte Maus zu einem Loch in der Wand und fordert die Kinder auf, ihr zu folgen.

So weit war ich damals gekommen. Ich vermute mal, da hatte ich etwas viel Mary Poppins gelesen. Noch während ich überlegte, was denn da so auf die Kinder warten könne, flog schon der Stift über das Papier und das Märchen entrollte sich.

Es ist wohl ein Märchen, aber der mittlere Teil ist gar nicht gemütlich oder heimelig. Denn das Land, in das die Maus die beiden entführt – das der grauen Mäuse – ist unheimlich. Das wirkt auf mich eher wie Alice im Wunderland. Und selbst als sie dem entkommen, sind die Gefahren noch nicht vorbei, doch die folgenden sind eher subtil und für manchen vielleicht gar nicht zu erkennen.

Na, was für eine Geschichte, und sie wollte unbedingt „Mäusegesellschaft“ genannt werden. Ich habe so das Gefühl, dass nun, da es ja wieder vor Weihnachten ist, womöglich noch weitere Märchen folgen. Es ist die rechte Jahreszeit dazu.

 Mittwoch, 13. November 2013

 Der Anlass für meine Werke wird immer seltsamer. Ich erhielt am Montag eine Einladung für ein Konzert in der Philharmonie, das am Dienstagabend (also gestern) stattfinden sollte. Es sollte eine Sinfonie von Haydn (die mit dem Paukenschlag) und eine von Mahler (die sechste, so genannte tragische) geben. Um mich ein wenig darauf einzustimmen, nahm ich mir meine Musikführer vor und las, nicht nur über die Sinfonien sondern auch über die Komponisten. Und wie es mir oft geht, so blätterte ich auch dieses Mal weiter, las über andere Komponisten. Dann legte ich alles weg, freute mich auf das Konzert am nächsten Tag und dachte, das sei es gewesen.

Ich sollte es ja besser wissen. In der Nacht hatte wohl so einiges in mir gearbeitet, irgendwann hatte ich meinen André, meinen Ausdruck in Paris, der Journalist gewesen war, gesehen. Und nun am Morgen meldete er sich wieder und verlangte von mir, ich solle über ihn ein Theaterstück schreiben. Ich hatte mir ja schon so etwas Ähnliches gedacht, als ich die Bücher über Jacques und Cladaigh schrieb. Ich hatte auch durchaus vermutet, dass der nächste André sein könnte und mich aus dem Grund auch schon auf eine weitere Erzählung gefasst gemacht. Aber André wollte es anders.

Es begann damit, dass ich Szenen aus seinem Leben sah und dann, dass dies auf einer Bühne stattfindet. Ich war so verdutzt, dass ich fragte: „Was soll das denn?“ Ja, und damit kam ganz klar der Auftrag von André. Also setzte ich mich gestern früh als erstes sofort nach dem Frühstück an den Computer und begann. Zuerst tat ich es fast wie etwas Spielerisches. Ich halte nur das Wichtigste fest, dachte ich noch.

Da hatte ich mich aber getäuscht. Ich saß den ganzen Tag – nur mit der Unterbrechung des Mittagessens – an dem Theaterstück und war abends fast froh, dass ich unterbrechen musste, weil ich mich ja für das Konzert fertigmachen musste.

Ich weiß nicht, warum es so ist. Aber wenn ich an einem Theaterstück schreibe, tauche ich noch einmal sehr viel tiefer ab, als wenn ich an einem Roman oder einer Erzählung sitze. Vielleicht kommt es ja daher, dass ich auf mehrere Dinge gleichzeitig achten muss. Es ist ja nicht nur der gesprochene Text, die Regieanweisungen wollen ja ebenfalls festgehalten werden. Und dann muss ich auch noch immer wieder in die anderen Schriftformen wechseln, damit Sprecher, Regieanweisung und Text auseinander gehalten werden kann. Das mache ich alles gleichzeitig. Auf jeden Fall ist der erste Akt fertig und der zweite begonnen. Mal sehen, wann es weiter geht.

 Donnerstag, 14. November 2013

 Es ist nicht zu fassen. Es ist vollbracht, das Theaterstück fertig. Im Moment bin ich nicht in der Lage, viel mehr hier zu schreiben. Es ist mir kalt und alles in mir zittert. Aber mir ist, als lächele André mir zu. Und außerdem scheint es mir, als habe ich noch einmal ein Stück mehr aus seinem Leben geheilt.

 Freitag, 15. November 2013

 So, nun habe ich ein wenig Abstand zu der Geschichte gewonnen. Inzwischen habe ich eine erste Korrektur vorgenommen und noch ein Nachwort geschrieben. Jetzt soll der Text für eine Weile ruhen, wie ein guter Hefeteig.

Es ist schon eigentümlich, wie mich Theaterstücke mitnehmen, so viel mehr als es Erzählungen oder Romane tun. Bei diesem kam aber auch noch hinzu, dass mir dieser André ja sehr nahe ist. So wie mich die Erzählungen von Jacques und Cladaigh auch mehr aufgewühlt haben, geschah es auch hier, und das dann verstärkt dadurch, dass es ein Theaterstück werden wollte.

Allerdings hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass da André neben mir stand und mir fast – so fühlte es sich an – den Text diktierte. Einiges kannte ich ja schon, aber eben nicht alles. Die Szene, die er mit einem Teppich bei den Freimaurern erlebt, hatte ich vorher nicht im Detail gesehen, da hatte es nur geheißen, er habe ihn wieder erkannt – das war nämlich ein solcher, wie ihn unser Peter Winter hergestellt hatte. Aber nicht nur das, er sah aus dem Teppich blaue Lichtpunkte sprühen – das nahm ich während des Schreibens ebenfalls wahr. Und André springt erschrocken zurück. Doch in der Abschlussszene, da er schon sterbend auf seinem Bett liegt, erklärt er Lucien, dass er nun wisse, warum ihn der Teppich so fasziniert habe. Er habe ihn schließlich selbst gewebt – in einer anderen Zeit. Und der Leser/Zuschauer kann sich dann aussuchen, ob dies die Fantasie eines Sterbenden ist oder die Erkenntnis eines Menschen, der kurz vor dem Tod steht und nun weiß, dass er nicht nur einmal lebt. Denn auch das drückt André aus. Er sagt – Lucien zum Trost: „Sei nicht traurig. Das Ende ist doch nicht das Ende. Es beginnt immer wieder neu.“

Fast schon witzig finde ich den letzten Zwischenakt. Das Stück hat zwar fünf Akte aber dazwischen folgen immer auch Zwischenakte, die auf den Straßen von Paris und damit vor dem Vorhang spielen. Der letzte davon, da kommt André gerade aus der Apotheke, in der er den „Schlaftrunk“ gekauft hat, wird er von Robespierre angesprochen. Dieser Revolutionär, der damals glaube ich noch gar nicht in Paris lebte, will André unbedingt überreden, zu den Versammlungen zu kommen. André lehnt ab. Doch Robespierre drängt, er müsse unbedingt kommen, egal wo er dann gerade sei. Worauf André nur meint: „Ich glaube kaum, dass ich von da, wo ich dann weilen werde, zu Ihnen kommen kann.“ Als er immer noch bedrängt wird, meint er fast erheitert: „Lieber nicht. Sie könnten erschrecken, wenn ich tatsächlich erscheinen sollte.“

Das ist mir auch aufgefallen: im letzten Akt wirkt André fast schon heiter, dieser Mann, der sonst immer so ernst war.

 Mittwoch, 20. November 2013

 So ist das mit den Theaterstücken, sie kommen in Wellen. Da gibt es Zeiten, da eines nach dem anderen geschrieben werden will – das war 2009 so, dann kommt eine Zeit, eine lange Zeit, da ich denke, das sei es an Theaterstücken gewesen. Nun meldete sich wieder eines, der André Satie, und gleich danach folgt ein zweites. Das Ganze soll heißen, dass ich nun am nächsten Theaterstück sitze.

Die Thematik verfolgte mich schon eine Weile, ich ging sozusagen schwanger damit, ohne dass Kind gebären zu können. Mir war vorher auch nicht bewusst gewesen, dass es der Stoff für ein Drama ist. Doch nun kamen zwei Begebenheiten zusammen und es wirkte, wie wenn man Sauerstoff und Wasserstoff zusammen gibt: Knallgasreaktion. Seit gestern fließt das Wasser, will sagen das Stück.

Die erste Begebenheit war die Fertigstellung von André Satie, die zweite war ein Bericht, den ich im Internet las. Da wurde gesagt, dass ein Maler – ich glaube es war Gerhard Richter – offen zugab, dass sein letztes Werk nichts zu bedeuten habe, er habe einfach nur ein paar Kleckse auf die Leinwand geschmiert. Trotzdem wurde es für eine horrende Summe gekauft. Ich fragte mich zuerst noch: Wie blöd sind denn die Menschen? Dann aber war es der Auslöser für die Knallgasreaktion.

Hauptfigur dieses Dramas ist ein Maler namens Wolfgang Amadé. Der Name kommt nicht von ungefähr, schließlich ist der Protagonist ein begeisterter Anhänger von Mozarts Musik – die mich im Übrigen beim Schreiben ebenfalls begleitet. Er erwirbt seinen Lebensunterhalt mit Illustrationen für Kinderbücher, malt aber außerdem auch große Bilder, die aber keiner haben will. Da kommt die Versuchung in Gestalt eines internationalen Händlers, der eine Riesenleinwand für viel Geld erwerben will – für einen nicht genannten reichen Kunden. Diese Leinwand hatte aber Wolfgang immer nur benutzt, um darauf seine Pinsel mal abzuwischen, oder etwas auszuprobieren.

So ungefähr weiß ich auch, wie es weitergeht, auch wenn ich erst einen Akt fertig habe. Und außerdem spielen sowohl Mozart als auch Peter Schlemihl – das ist der ohne Schatten – eine Rolle. Ihre Konterfeis erscheinen auf der Leinwand und warnen Wolfgang.

 Donnerstag, 21. November 2013

 Ich hatte mir vorgenommen, es dieses Mal langsamer angehen zu lassen. Dienstag ein Akt, Mittwoch einer, vielleicht auch mal Pause. So dachte ich. Aber wenn ich Theaterstücke schreibe, ist das mit dem Denken noch weniger angesagt als bei anderen Texten. Es wurden am Mittwoch dann doch zwei Akte und heute ist das Stück schon fertig. Ich war nicht so ganz weit weg wie sonst, anscheinend habe ich mich inzwischen an diese andere Form besser gewöhnt. Ich fühle mich auch nicht ganz so leer wie nach dem André. Und trotzdem – es ist etwas ganz Besonderes, Theaterstücke zu schreiben.

Und dann findet auch noch im fünften Akt so ein richtiger Knall statt. Ich hatte es ja schon geahnt. Dieser Wolfgang ist nicht ganz so pflegeleicht, wie sich das der Herr Kunsthändler wohl gedacht hatte. Und schließlich wird er von den Geistern aus alter Zeit unterstützt. Als anscheinend nichts mehr hilft und auf der Leinwand gar die mahnende Stimme des Kunsthändlers auftaucht – samt Gesicht – da ergreift Wolfgang einen Beutel mit Münzen, den der Händler ihm dagelassen, und schleudert ihn gegen das Gesicht auf der Leinwand. Was dann folgt könnte einer Inszenierung von Don Giovanni alle Ehre machen – nun ja, die Oper spielt sowieso eine Rolle in meinem Stück. Und meine Liebe zu Mozart kann ich natürlich auch nicht leugnen.

 Mittwoch, 04. Dezember 2013

 Wieder einmal kamen zwei Dinge zusammen. Da hatte sich etwas für mich gezeigt, das mit Schlüsseln zu tun hatte. In der schamanischen Reise meiner Freundin hieß es noch – nachdem sie eine Erklärung erhalten hatte – und nun kann Ursula ein Märchen dazu schreiben. Nun ja, das tue ich ja gerne, aber es meldete sich erst einmal keines.

Gestern Abend nahm ich mir wieder mal die Erzählungen aus tausend und einer Nacht vor, las hier eine Geschichte und dort eine. Und irgendwann kam der Impuls – jetzt schreib selbst etwas. Und dann nannte sich das Märchen: das goldene Schlüsselchen. Ach nein, wirklich?

Es spielt in einem ungenannten, märchenhaften Land, aber die Namen zeigen, dass die Erzählungen aus tausend und einer Nacht noch nachwirkten. Das Schlüsselchen fällt einem jungen Mann vor die Füße, aber er weiß nicht, was er damit tun soll – und vergisst es. Bis zu dem Tag, da er traurig ist und allein in den Wald geht, genau dahin hin, wo ihm der Schlüssel vor die Füße gefallen war. Für ihn bedeutet es, dass es ein Ruf in die Anderswelt war – und nun wird auch erklärt, nämlich von der Fee, die ihn gerufen, wofür dieser Schlüssel gut ist.  

Es kommt alles sehr geheimnisvoll daher, so finde ich zumindest. Ich habe so eine Ahnung, was das alles mir oder uns Menschen sagen soll. Aber das will ich an dieser Stelle nicht verraten. Wie so oft, werde ich zuerst einmal mein Märchen ein paar lieben Freunden vorlesen. Ich bin gespannt, was sie daraus heraushören.

 Dienstag, 10. Dezember 2013

 Weihnachtszeit ist anscheinend Märchenzeit. Denn gestern zeigte sich ein weiteres. Ich war morgens mit einem Satz aufgewacht, eigentlich war es sogar nur ein Halbsatz, denn es hieß: „alles aus erster Hand“. Ich fragte mich noch, was das solle, vergaß es und begann mit meinem Tagewerk. Doch im Laufe des Tages meldeten sich die Worte immer wieder. Am Nachmittag wusste ich, dass ein weiteres Märchen anstand. Und so setzte ich mich hin und schrieb. Der Titel lautet: Aus erster Hand und es geht um einen verwunschen Laden im alten London.

Während des Mittagessens hatte ich noch gegrübelt, wie ein Roman von Dickens auf Deutsch heißt. Es war weder Trödelladen noch Antiquitätengeschäft und erst spät kam dann die Erinnerung: Der Raritätenladen. Unser Gedächtnis ist ja wirklich ein seltsames Ding. Ich wundere mich schon gar nicht mehr, was mir manchmal so einfällt. Als ich das Märchen schrieb, war mir auch klar, warum ich an den Dickensroman hatte denken müssen, war doch das, was ich da wahrnahm, tatsächlich ein Raritätenladen – aber einer der ganz besonderen Art.

Es ist eine leise Geschichte, irgendwo im Niemandsland zwischen Märchen, Kurzgeschichte und Parabel angesiedelt, mit nur wenig Handlung. Ich habe festgestellt, dass man sie mehrmals lesen muss, um überhaupt einen Teil zu erfassen. Oh, wie spannend ist das. Und wo mag mich das alles noch hinführen?

 Montag, 16. Dezember 2013

 Es ist wirklich Märchenzeit. Am Samstag erwartete ich gegen Mittag Besuch. Als ich um elf Uhr mit allen Vorbereitungen fertig war, stellte ich fest, dass ich nun noch eine gute Stunde Zeit für mich hatte. Was damit tun? Der Impuls lautete: schreib ein Märchen. Nun ja, warum nicht. Also setzte ich mich hin, nahm Papier und Stift und da floss es wieder.

Ich hatte ganz kurz ein Gemälde vor meinem geistigen Auge gesehen, nämlich „der arme Poet“ von Carl Spitzweg. Dann hörte ich regelrecht Trappeln vor dieser Dachstube. Mein Poet ist gar nicht so arm, liegt aber trotzdem im Bett, weil es da wärmer ist. Er ist auch nicht krank, wenn, so höchstens das, was man früher gemütskrank nannte. Doch sowohl die Wesen aus der Anderswelt – hier sind es Wichtel – als auch die Menschen, holen ihn aus dieser kalten Einsamkeit und erinnern ihn daran, dass auch er eine Aufgabe hat – nämlich Geschichten zu erzählen. Und so endet denn auch mein Märchen damit, dass dieser Poet mit einem Märchen beginnt.

 Freitag, 27. Dezember 2013

 Es geht immer noch weiter mit den Märchen. Da hatte mir vor kurzem ein Freund erzählt, dass er auf Heiligabend ausgesprochen gerne durch die Stadt gehe. Je später es würde, desto leerer und stiller würde es. Dann blickte ich mal wieder auf den Adventskalender, den ich mir in diesem Jahr gekauft habe. Es ist ein dreidimensionaler mit einem wunderhübschen alten Stadtbild – alles Fachwerkhäuser im Schnee. Und die Fenster sind dann die Türchen. Die beiden Dinge verbanden sich anscheinend in meinem Gehirn, denn kurz darauf erfolgte der Impuls, den Stift in die Hand zu nehmen. Und siehe da, es schrieb sich eine kleine, leise Weihnachtsgeschichte, die in der verschneiten, stillen Stadt beginnt.

Ich stelle fest, dass meine Märchen immer geheimnisvoller werden. Nun ist das ja in gewisser Weise auch ein Kennzeichen von Märchen. Es wäre schließlich keines, wenn da nicht wundersames, geheimnisvolles, nichtalltägliches drin geschehen würde. Ach ja, der Titel ist auch eigentümlich: Die zwölf Tage der Weihnacht – in England eine durchaus übliche Bezeichnung. In Deutschland spricht man wenn eher von den zwölf Raunächten.

 Sonntag, 29. Dezember 2013

 Weihnachtszeit ist nicht nur Märchenzeit sondern für mich auch immer die Zeit, in der ich klassische Musik besonders intensiv höre. Sie verlässt mein Leben nie ganz, ohne diese Musik würde mir etwas fehlen. Aber es gibt immer wieder Zeiten, in denen ich wochenlang andere Musik höre. Nicht so Weihnachten.

Dieses Mal nahm ich mir vor allem meinen ganz besonderen Liebling vor: Schubert. Und dabei waren es vor allem die beiden Klaviertrios, die ich immer wieder hörte – und immer noch höre. Wie ich das meistens tue, las ich auch in dem Begleitheft. Und siehe da, gleich zu Beginn finde ich ein Zitat von Schubert, das mich sehr anspricht, in heutigen Worten könnte es von mir formuliert sein. Es bezieht sich auf das Klaviertrio Op. 100 (DV 929): „Dediciert wird diese Werk Niemanden ausser jenen, die Gefallen daran finden. Das die einträglichste Dedication.“

Ja, genau so ist es. Wir schreiben nichts, um auch nur irgendjemanden zu gefallen, wir schreiben, weil es geschrieben werden möchte: Schubert seine Musik, ich meine Texte.

Und es passte so wunderbar, da ich mal wieder feststellen musste (oder eher konnte und durfte), dass es Menschen gibt, die meine Texte nicht verstehen. Es war nun wirklich kein Roman, Erzählung oder Märchen, was da falsch verstanden wurde. Es war ein Artikel, den ich geschrieben hatte und auf den ich Antwort erhielt. Diese zeigte mir, dass dieser andere Mensch nichts, aber auch gar nichts verstanden hatte. Ich hatte schon antworten wollen, doch dann hielt ich inne, ging sozusagen in mich. Und dann kam sofort die Antwort: „Es muss dich nicht jeder verstehen. Und du musst nicht jedem antworten.“

Danke, wie hatte ich das nur vergessen können.

Und um noch einmal auf Schubert zurückzukommen. Es mag ja Menschen – Musikwissenschaftler und andere – geben, die es bedauern, dass Schubert damals nur für seinen Freundeskreis komponierte und nie wirklich Anerkennung erfahren hat. Ich sehe das inzwischen anders. Es ist ein riesiges Glück, dass dem so war. So sah sich Schubert nie genötigt, für irgendwen zu schreiben. Er konnte ganz das schreiben, was in diese Welt wollte. Ich bin darüber so froh – und vielleicht ist auch das der Grund, warum seine Musik mir die allerliebste ist – auch wenn ich durchaus andere Komponisten schätze. Und so freue ich mich auch inzwischen, dass ich eine kleine Fangemeinde für meine Werke habe – so nenne ich das inzwischen gerne. Auch ich fühle mich nicht genötigt, irgendetwas zu schreiben, nur weil es ein Verlag, eine große Menschenmasse, der Mainstream oder wer auch immer will. Und so widme ich meine Werke ebenfalls Niemandem, außer denen, die Gefallen daran finden.