Sonntag, 23. November 2014

Es ist geradezu prophetisch, was ich da beim letzten Mal geschrieben habe. Was ich damit meine, wird gleich klarer. Zuerst einmal beendete ich dieses seltsame Werk, das ich nicht wirklich einordnen kann, dessen Texte ich mal als philosophierende Versuche, ein anderes Mal als philosophische Betrachtungen bezeichnete, und die ich doch im alten Sinne des Wortes auch Essays nennen könnte. Denn was heißt Essay anderes als Versuch, damit sind meine Texte Essays ganz im Sinne von Montaigne.

Am 11. November meldete sich dazu ein Text über die Freundschaft, der schon einige Zeit in mir gegärt hatte. Gerade dieses Thema – so wollte es mir scheinen – eignete sich wundervoll, den Band zu beschließen. Wie zur Bestätigung schrieb sich gleich darauf eine Art Abgesang, und wenn auch noch einige Seiten in meiner wundervollen Kladde frei waren, schloss ich sie doch mit einem befriedigten Seufzer.

Ungefähr um die gleiche Zeit entdeckte ich die Ankündigung eines Werkes von William Butler Yeats, das jetzt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurde: A Vision. Ich wusste sofort, dass es zu mir wollte, also bestellte ich es.

Es ist einerseits anders als ich erwartete, übertrifft andererseits meine Erwartungen und regte mich schlicht und einfach zum Weiterspinnen an – anders kann ich es nicht formulieren. Genau das meinte ich vorhin mit meinen prophetischen Worten. Denn auf einmal, angestoßen durch eine gänzlich andere Arbeit, nämlich die für eine Klientin, zeigte sich mir ebenfalls eine Vision. Sie wirkte auf mich fast wie die Weiterführung der von WBYs – und ist es doch nicht, denn sie bewegt sich auf einer anderen Ebene. Und dann als Krönung sozusagen, wollte das alles in Worten festgehalten werden. In dem Moment, da ich es geschrieben hatte, wusste ich, dass es auf die noch leeren Seiten der Kladde wollte. Dazu meldete sich dann eine Art verbindender Text, den ich hier zitieren möchte.

„Ein englischer Dichter hatte mich zu dem Titel dieser Sammlung inspiriert. Nun hat mich ein anderer englischer Dichter – der eigentlich ein irischer ist – zu einem Text der ganz besonderen Art gebracht. Und so soll dieser ganz besondere Text den Abschluss des Heftes bezeichnen und gleichzeitig den Anfang von etwas ganz Neuen verkünden.“

Der Titel dieses letzten Textes – der Abschluss und Anfang gleichzeitig ist – nennt sich: „Visionen rufen Visionen hervor“.

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