Donnerstag, 24. Juli 2014

Es hat nun wirklich nicht mehr lange gedauert, denn gestern Abend schrieb ich die letzten Sätze. Interessanterweise habe ich auch immer Zeit, wenn ich an solchen Texten arbeite – ganz so als sollte es so sein, was natürlich auch genau so ist. Und natürlich kamen noch weitere Erkenntnisse, wie sollte es auch anders sein.

Da ist vor allem die Szene, wenn Lucius, der Freund, stirbt. Duncan sitzt an seinem Sterbebett, so könnte man es nennen, Lucius erklärt, warum er sich die letzte Zeit so aufgerieben hat mit der Ausbildung neuer Soldaten. Da sagt er: „Dieses Land findet erst Frieden, wenn Rom sie alle eingegliedert hat. Wenn wir uns alle wirklich als ein Land fühlen, dann wird es auch Frieden geben.“

Duncan bezweifelt das, sagt aber nichts dazu, denn er erkennt etwas sehr Wichtiges, wie mir scheint: ‚Meine Überzeugung war eine andere. Frieden musste im Herzen eines jeden Menschen beginnen. Und das konnte man niemandem aufzwingen. Doch ich sagte nichts. Ich lernte in diesen Stunden, dass Freundschaft nicht bedeuten muss, der gleichen Meinung zu sein.’

Ich hatte es in diesem Leben auch erkannt, und interessanterweise bei genau dem Menschen, der damals Lucius war. Heute vermute ich, dass es mir genau deshalb so leicht fiel, weil mein Duncan es auch schon erkannt hatte.

Und dann gibt es noch etwas sehr seltsames, etwas, das zwar nicht vollständig neu und es dann doch ist. Lucius bittet irgendwann seinen Freund, doch seine Erinnerungen aufzuzeichnen. Mein Duncan hat ja nicht nur die römische Sprache gelernt sondern auch Lesen und Schreiben. Und obwohl er nicht so recht weiß, wofür das gut sein soll, setzt er sich hin und schreibt einen Text in zwei Teilen. Der erste befasst sich mit Mythologie und Weisheit der Kelten – soweit er das noch in Erinnerung hat. Der zweite Teil beinhaltet seine eigenen Erinnerungen, was er ‚persönliche Erinnerungen eines Kelten’ nennt. Jetzt würde ich natürlich gerne wissen, was mit diesen Aufzeichnungen geschehen ist. Sind sie irgendwann zerstört worden oder warten sie in einer Art Zeitkapsel noch auf Entdeckung?

Und dann zitiert Duncan irgendwann dem Arzt einen Text, den er von einem alten Druiden gelernt hat – mir kam er ja so vertraut vor. Nun weiß ich auch, warum ich solche Texte so liebe.

„Ich war die Wolke und das Meer,
Ich lebte als Adler und war das Ei.
Ich kenne die Erde, als es noch keine Menschen gab.
Ich bin Sturm und Blitz, der Regen und der Sonnenschein.
Ich speiste mit Lugh und sang mit Brigid.
Ich schmiedete die Waffen für Dagda und säte das Korn für die ersten Menschen.
Ich bin alles und eins.
Ich sah die Berge Feuer speien und die Wasser steigen.
Ich sah den Himmel zerreißen und den Regenbogen glühen.
Ich war der Mann und die Frau und das Kind, das sie zeugten.
Ich durchwandere die Welten in ihrem stetigen Wandel.
Und auch ich verwandele mich ständig, deshalb sterbe ich nie.“

 

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