Montag, 30. Juni 2014

Nun hatte ich geglaubt, ich könne mich so richtig gemütlich in dem neuen Roman einnisten. Er floss, wenn auch langsam so doch stetig. Bis er dann auf einmal ins Stocken geriet. Das kenne ich und somit beunruhigte es mich auch überhaupt nicht. Oft genug ist ja auch einfach anderes zu tun.

Irgendwann war dann auf einmal die Zeit, wieder einmal genauer in mich hinein zu horchen. Meistens mache ich dafür eine schamanische Reise doch hin und wieder nehme ich auch einfach Stift und Papier und tue das, was man als automatisches Schreiben bezeichnet. Für mich ist es eine wundervolle Möglichkeit, an meine innere Weisheit, meine Intuition – oder wie auch immer man das nennen will – zu kommen. Dieses Mal geschah dies einen Tag vor der Sommersonnenwende, und wenn ich das auch nicht bewusst geplant hatte, so spürte ich doch diese besondere Zeitqualität, es war gut geplant, nur nicht von meinem Kopf.

Ein Teil dieser Botschaft war nun besonders interessant für mich als schreibende Frau. Da stand nämlich auf dem Papier, dass die Zeit für meine Romane erst kommen würde, die Zeit sei noch nicht reif. Natürlich solle ich sie ruhig weiter schreiben, sozusagen schon im Voraus. Doch die in der Ich-Form geschriebenen Romane über meine früheren Leben hätten Priorität.

Ich hatte es ja schon eine Weile vorher gespürt, dass ich damit noch nicht fertig war, aber immer wieder hinausgeschoben – mir damals nicht darüber im Klaren, warum das so war. Jetzt weiß ich es. Denn nun meldete sich mein Maler aus der Renaissance-Zeit. Ein paar Tage rang ich mit mir, denn ich spürte dieses Mal einen großen Respekt, es erschien mir fast anmaßend, das Leben von Giorgio in der Ich-Form zu schreiben. Doch er wartete geduldig und dann, am 26. Juni nahm ich endlich eine ganz besondere Kladde, die ich mir erst vor kurzem besorgt hatte, und begann mit dem Schreiben.

Der Fluss ist noch einmal sehr viel stärker als bei einem „normalen“ Roman – das hatte ich bei den anderen Texten auch schon erlebt. Fast schien es mir, als habe Giorgio sehnsüchtig darauf gewartet, dass ich endlich zu Stift und Papier griff. Und dann stehen da Sätze in dem Text, die, wie ich finde, nur von einem Maler stammen können. Da liegt er mit einer Frau im Bett, Kerzenschein flackert über ihren Körper und er sagt: „Der Kerzenschein macht, dass deine Haut lebendige Farbe ist. Das möchte ich festhalten – und ich weiß, dass ich das könnte.“ Zu dem Zeitpunkt ist er im Übrigen gerade mal fünfzehn Jahre alt.

Nun bin ich natürlich gespannt, was sich da noch alles zeigt – weit über das hinaus, was ich von ihm ja schon wusste. Inzwischen weiß ich auch, was da so besonderes festzuhalten ist. Ich habe es schon bei dem Roman über Jacques erkannt. Während des Schreibens werden an manchen Stellen die Verbindungen zu den anderen Leben klar – mir klar. Und dann will auch genau diese Erkenntnis im Text festgehalten werden. So an der Stelle, da Giorgio in einem Streit Laura verletzt – unabsichtlich. Er hatte ihr nur ein Messer entwinden wollen, eben damit kein Schaden entsteht, und dann blutete sie plötzlich. Er erschreckt sich wesentlich mehr, als es eigentlich diese kleine Wunde rechtfertigt. Das wird ihm auch klar – und er wundert sich.

Ich allerdings nicht. Denn ich spürte regelrecht, dass er sich in diesem Moment – nur gefühlsmäßig – an die beiden anderen Male erinnerte, da wir als Mann eine Frau – dieses Mal allerdings tödlich – verletzten. Jedes Mal ist es eine Frau, die dieser Mann liebt. Kryon nennt dies das trügerische Akash – ja es ist wirklich trügerisch, denn du weißt ja gar nicht, woher diese Gefühle, die nicht wirklich angemessen sind, herkommen. Wie wundervoll, dass ich es nun beim Schreiben sehr wohl erkennen darf. Und genau darin scheint die Aufgabe dieser meiner besonderen Romane zu liegen.

 

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