Montag, 26. Mai 2014

Die letzten Wochen waren eine ruhige Zeit – zumindest was das Schreiben anbetraf. Ich glaubte schon, dass nun mal eine kreative Pause folgen würde, schließlich benötigt die jeder – dachte ich. In der letzten Woche überlegte ich dann, welches meiner angefangenen Werke ich weiterschreiben könne, an einem Tag zog es mich zu dem einen, am nächsten zu einem anderen, und ich wusste, dass die Zeit noch für keines von ihnen reif ist. Also wartete ich ab.

Gestern überraschte ich mich dann wieder einmal selbst. Ich erinnerte mich an meine Schottland-Reise im Jahr 2012, ließ die besuchten Orte Revue passieren und stellte mir vor, wie es wäre, im hohen Norden Schottlands zu leben. Ich sah Ullapool, das wir ebenfalls besucht hatten, und merkte immer noch nicht, dass ich schon längst in einem neuen Roman gelandet war. Erst als mir ein bisschen Vorgeschichte gezeigt wurde, verstand ich.

Da ist also Tessa, eine Frau von knapp vierzig Jahren. Über viele Jahre war sie die Sekretärin eines bekannten Londoner Chirurgen, der aber nun in den Ruhestand gegangen ist. Der Nachfolger bringt seine eigene Sekretärin mit und für sie gibt es keine Arbeit und damit keine Stelle mehr. Bei einem Spaziergang trifft sie ihren ehemaligen Chef, der ihr ein interessantes – oder auch seltsames – Angebot macht. Er hat nämlich ein kleines Haus in Ullapool geerbt, für Monate aber keine Zeit dort zu leben oder sich auch nur umzusehen. Das soll nun Tessa tun. Und sie nimmt an, stellt als erstes fest, dass das kleine Haus aus sechs Zimmern, zwei Bädern und einer großen Küche besteht und erfährt die umwerfende Freundlichkeit der Schotten – das ist das, was ich gestern geschrieben habe.

Aber ich sah auch schon ein wenig mehr. Da kommt irgendwann ein Skandal – eben mit dem Nachfolger – und Tessa ist nur froh, dass sie die Stelle nicht bekommen hatte.
Ich habe keine Ahnung, was in dem Roman alles passiert, aber ich weiß jetzt schon, dass es ein Loblied auf die schottische Gastfreundschaft wird und gleichzeitig ein Hohelied auf Synchronizität. Ich sah schottisches Heidekraut, eine Schlucht, die wir auch besucht haben, ich roch das Meer, hörte das Schreien der Möwen, bemerkte die kleine Buchhandlung in Ullapool, nahm die äußeren Hebriden wahr – und da hatte es mich natürlich gepackt. Das ist wie noch einmal Urlaub in Schottland machen. Und wenn ich es mir recht überlege, war ein Roman, der in Schottland spielt, schon längst überfällig. Ach ja, einen Titel hat er auch schon: ‚Möwen und Bücher’.

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