Donnerstag, 03. April 2014

Jetzt hatte er so lange gelegen, der Matteo, und nun ist er in den paar Tagen fertig gestellt. Ich hatte es ja schon vermutet, dass der Roman anders ablaufen würde, als ich es im letzten Jahr wahrgenommen habe. Es ist ja kaum noch der Fall, dass ich bei Beginn eines Romans genau weiß, was sich da abspielt. Ich habe auch schon erlebt, dass ich bei den ersten einhundert oder noch mehr Seiten, überhaupt keine Ahnung habe, wo es hingeht. Aber dieses Mal war es noch anders.

Zwar hatte ich keinerlei Details erkennen können, das kommt sowieso immer erst über dem Schreiben, aber es hatte im letzten Jahr so ausgesehen, als handele der Roman von einer langen Suche nach Matteos Vater und damit einer Wanderschaft durch Europa. Ich hatte auch schon so eine Ahnung, dass Matteos zweiundzwanzigstes Lebensjahr und das vierundvierzigste eine Rolle spielen würden. Und so hatte ich damals gedacht, dass die Suche eben zweiundzwanzig Jahre dauern würde. Doch weit gefehlt.

Nun auf einmal bricht er mit seiner Suche an einer Stelle ab, er erkennt, dass er weit mehr erfahren hat, als so mancher von seinem Vater weiß. Und nun auf einmal kommt es ihm wie Nachspionieren vor, wenn er weitermachen würde. Interessant ist, so finde ich, dass er dann, als er gar nicht mehr auf der Suche ist, dem Vater geradezu über den Weg läuft – da ist Matteo dreiunddreißig. Und noch einmal elf Jahre später kommt der Vater tatsächlich in die Steiermark, in das Haus des Sohnes.

Ich weiß nicht, ob andere Schriftsteller sich im Nachhinein noch Gedanken über ihre Romane – oder andere Werke – machen. Meistens ist das ja eher Arbeit der Literaturkritiker. Doch ich lese sie nicht nur immer wieder mal, sondern ich versuche auch dahinter zu kommen, was denn da aus mir herausgeflossen ist. Als ich den Matteo auf mich wirken ließ, sind mir ein paar Dinge aufgefallen.

Zum einen habe ich das Gefühl, dass die Arbeit, die ich im letzten Jahr an mir und für mich tat, das Leben dieses meines Romanhelden verändert hat. Fast kam es mir so vor, als hätte ich seine Vergangenheit geheilt – so wie ich dies ja auch für mich kann. Deshalb musste er auch die Zeit liegen bleiben. Dann fiel mir aber auch auf, dass in diesem Roman Zahlen eine wesentliche Rolle spielen. Die Altersangabe habe ich eben schon erwähnt, es sind die Meisterzahlen zweiundzwanzig, dreiunddreißig und vierundvierzig, die gerade für Matteo eine große Rolle spielen. Im Übrigen ergibt auch sein Namen als Quersumme die Elf. Aber es geht noch weiter. Als sein Vater endlich in seinem Haus auftaucht, ist der einundsiebzig. Und Matteos Sohn, den er erst fünf Jahre zuvor kennen gelernt hat, ist da siebzehn. Bildet man die Quersummen, so betragen sie bei allen drei Männern jeweils Acht.

Nun, schließlich war jeder der beiden, als er den Sohn zeugte, sechsundzwanzig (QS Acht) und als der Sohn geboren wurde knapp vor der siebenundzwanzig, und das ergibt als Quersumme neun. Diese Informationen, an die ich erst gestern kam, muss ich erst einmal wirken lassen. Geplant – mit dem Kopf geplant – hätte ich so etwas nie. Es ergab sich eben so – aber wir wissen ja, dass es keine Zufälle gibt, auch nicht beim Romanschreiben.

 

 

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