Montag, 03. März 2014

Nach all den prosaischen Texten tauchte gestern wieder ein Gedicht auf. Ich hatte mir vorher ein Lexikon zum Lesen aus dem Regal genommen. Es ist ein Lexikon über Poesie. Ich hatte es mir damals gekauft, weil ich zwar ein gutes Gespür für Gedichte habe und sie auch schon immer liebte – ich glaube, das hat auch etwas damit zu tun, dass ich von klein an mit Musik groß wurde. Aber ich hatte nie wirklich etwas über die Hintergründe gelernt, denn in der Schule wurden zwar Gedichte interpretiert – und auf höchst seltsame Art und Weise. Aber sehr viel mehr gab es nicht. Ich wusste noch, was ein männlicher und ein weiblicher Reim ist. Vielleicht haben wir auch noch anderes gelernt, doch dann blieb es nicht haften. Alles andere hatte ich mir aus allen möglichen Texten und Schriften zusammengesucht. Und also wollte ich endlich ein Werk besitzen, in dem das alles zusammengefasst ist.

Nun kann man aber ein solches Lexikon nicht einfach wie einen Roman lesen – obgleich ich eigentlich ganz gut darin bin, Werke wie Romane zu lesen, die andere als schwer zugänglich empfinde. Trotzdem musste ich immer wieder mal Pause machen. Vor allem war mir manches zu ausführlich und zu sehr mit Fachbegriffen belastet erschienen – und anderes wurde nicht so erwähnt, wie ich es gerne gehabt hätte. Nun ja, so ist das nun mal mit Sachbüchern.

Gestern nun nahm ich es mir also wieder einmal vor. Der Wunsch war auch aus der intensiven Beschäftigung mit Byron entstanden. Da hatte in dem einen Werk gestanden, er habe für seinen Don Juan Spenzer-Strophen verwendet. Das musste ich nun unbedingt nachlesen.

Dann legte ich das Lexikon zur Seite, weil ich mir kochen wollte, und in meinem Kopf sang noch die Melodie der zitierten Gedichte. Sie sang immer weiter und veränderte sich und auf einmal merkte ich, dass es nicht mehr eines der zitierten war sondern ein eigenes. Ah, wundervoll. Und es nennt sich: ‚Auf meine Weise’. Ja, das ist die Art, wie ich Gedichte schreibe. Und was las ich da noch als kleine Fußnote? Nur der Dichter – oder Künstler – kann bestimmen, ob etwas ein Gedicht ist oder nicht: Ja, genau so ist es!

 

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