Dienstag, 11. Februar 2014

Es ist noch etwas schwer zu fassen, das, was ich da schreiben will. Es ist mir aufgefallen, nachdem ich in den letzten Tagen und Wochen vieles von Skandinaviern und Russen gelesen habe. Sie sind ja nicht von vorneherein meine Lieblinge, das war mir schon vorher bewusst, aber gerade deshalb hatte ich mich etwas intensiver mit ihnen beschäftigt. Natürlich schreiben auch sie unterschiedlich, wie könnte es anders sein. Und doch fand ich in jedem dieser Werke etwas, das mir fremd und unvertraut war.

Dann nahm ich mir einen Band über Russland vor, in der Hoffnung, so leichter einen Zugang zu finden. Auch hier fand ich wieder dieses mir Fremde, Unvertraute. Ich kann gar nicht einmal sagen, was das wirklich ist. Es kommt mir so vor, als würde ich bei einem Roman aus England – oder der in England spielt – etwas von Zuhause lesen und bei Russland etwas von einem fremden, ein wenig unheimlichen Land.

Interessant dabei war, dass mir die italienischen Märchen von Maxim Gorki – die ja gar keine Märchen sind sondern Geschichten aus dem Alltag in Italien – so sehr viel vertrauter erschienen. Das war schon fast wieder wie Geschichten von Zuhause. Das hat nichts mit dem Stil zu tun. Es sind die Geschichten selbst, die mir vertrauter sind, die mich ansprechen, in welcher Form auch immer, die mir nicht fremd sind.

Als ich mir darüber im Klaren war, fragte ich mich, warum ich so gerne Werke von mir in England spielen lasse. Das ist eigentlich gar nicht die richtige Formulierung, denn schließlich plane ich nicht, dass sie in England spielen, sondern sie fordern es. Und dann wurde mir klar, dass bestimmte Geschichten es geradezu verlangen, in diesem bestimmten Land zu spielen und nirgendwo sonst. Es gibt Themen, die können nur in England oder Russland oder Schweden – oder wo auch immer – spielen und nirgendwo sonst. Und so ist es wohl eher das Land, das mir da so fremd ist, in meinem speziellen Fall eben Russland.

Und damit sind mir die Werke am weitesten entfernt, die das typisch russische am stärksten widerspiegeln. Eines dieser Themen ist mir sogleich aufgefallen, es ist so eine Mischung aus Langeweile und Lebensüberdruss – ganz im Gegensatz zu der überschäumenden Lebensfreude, die aus Gorkis italienischen Märchen herausleuchten. Ich kann diese Langeweile nicht richtig nachvollziehen, sie bleibt für mich kalt, fremd und unwirklich. Und die Menschen kommen mir fast wie leblose Puppen vor – im Gegensatz zu den Italienern in Gorkis Werk, die in all ihren Facetten blutvolle Menschen sind.

Dass ich das so wahrnehme, hat etwas mit mir zu tun, was mir sehr wohl bewusst ist.

 

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