Montag, 27. Januar 2014

Ich habe weiter gelesen bei Selma Lagerlöf und dieses Mal Erzählungen. Inzwischen ist es für mich klarer und deutlicher geworden: es ist diese starke Ausprägung von Schuld und Sühne, die die gesamten Erzählungen und Romane – so weit ich sie kenne – durchzieht. Die Menschen sind ständig sowohl vom strafenden Christengott – mir kommt er eher wie der mosaische Gott vor – und dem Neid der alten Götter bedroht. Wehe einer ist fröhlich und frei in seinen Gedanken, dann muss er dafür bestraft werden. Eigentlich wollte ich noch weiter lesen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mir das nicht weiter antun will. Was mag sich nur in dieser Frau abgespielt haben – gefühlsmäßig – dass sie so schrieb? Ich fand weder Verständnis für die Schwächen der Menschen – sondern eher den streng erhobenen Zeigefinger der Lehrerin – noch in irgendeiner Weise warmherziges Erbarmen oder erlösenden Humor. Wie so anders fühle ich das bei Dickens, Hardy oder gar der Ebner-Eschenbach.

Trotz allem bin ich froh, den Gösta gelesen zu haben – wie will ich sonst wissen, wie eine Lagerlöf geschrieben hat.

 

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